Artikel aus der Geislinger Zeitung: Weltranglistenplatz 1600 macht keinen Spaß

Seit September beschäftigt der Tennisverein Geislingen erstmals einen hauptamtlichen Trainer. Mit dem Slowaken Peter Liptak scheint dem Verein ein echter Glückstreffer gelungen zu sein.

Liptak

In den vergangenen zwei Jahren bekam es der TV Geislingen mit einem Ansturm an Kindern und Jugendlichen zu tun. Über 100 Nachwuchsspieler tummeln sich jetzt in 13 Jugendteams. Um die auszubilden, „brauchten wir einen hauptamtlichen Trainer“, erklärt Vereins-Chef Heinz Bentler. Zudem wollten die Geislinger ihre Herren-Mannschaft in der Verbandsliga voranbringen, mit den Ergebnissen der Trainer auf Honorarbasis waren sie nicht mehr zufrieden.

Unter einem knappen Dutzend Bewerbungen wählte der Vorstand Peter Liptak aus, der zuvor im Bezirk Murr eine Tennis-Schule geleitet hatte. Der Slowake wohnt mit seiner Familie in Blaubeuren und suchte einen heimatnäheren Arbeitsplatz.

Liptak hat seine Profi-Karriere früh beendet. Schon als 20-Jähriger reifte die Einsicht, für das große Geld nicht gut genug zu sein. „Wenn man nur auf Weltranglistenplatz 1600 rumgurkt, kommt man nicht weiter“, erklärt Liptak den frühen Umstieg vom Tennis-Spieler zum -Lehrer und -Trainer. Für die Geislinger Verbandsliga-Mannschaft ist er auch als Spieler noch eine Hilfe.

Mit seinen jetzt 37 Jahren senkt er den hohen Altersschnitt der ersten Männermannschaft nicht wirklich. Der liegt bei knapp 35 Jahren und soll allmählich gesenkt werden. Mit seinen jetzigen Teamkollegen glaubt der Neue „locker in der Herren30-Bundesliga mitspielen“ zu können, doch das wollen sie gar nicht – „wir fühlen uns noch jung“, sagt er. Zudem machts dem 37-Jährigen „Spaß, 18- oder 19-Jährige zu zerlegen“.

Da sie nicht ewig jung bleiben, betreut Liptak den Nachwuchs und will die guten Spieler so früh wie möglich an die erste Mannschaft heranführen. Dasselbe gilt für Mädchen, der Coach trainiert auch die erste Frauen-Mannschaft in der Bezirksklasse.

Peter Liptak begrenzt seine Aufgabe längst nicht darauf, die Elite voranzubringen. Er will „alle Gruppen erreichen und motivieren“, auch Anfänger und Hobbyspieler. Zur Ballschule für Kinder sind ausdrücklich alle eingeladen. Der jüngste ist dreieinhalb Jahre, auch Liptaks sechsjährige Tochter Yvonne spielt mit. Abends ab 20 Uhr gibts „Tennis für alle“, da kann jeder kommen, „egal wie er spielt“. Der Coach zieht sich permanent eine 40-Stunden-Woche rein – mindestens.

Sein Arbeitgeber ist bislang höchst zufrieden. Bentler spricht von einem „echten Glücksgriff“. Der Vorsitzende will den Club mittelfristig als „Sammelbecken in der Region“ für Spieler positionieren, die bei kleineren Nachbarvereinen nicht mehr weiterkommen.

In Liptak sieht er da den richtigen Mann. Den müsse man „eher bremsen als anschieben“. Bislang hat Bentler auf die Bremse weitgehend verzichtet. 50 bis 60 neue Mitglieder kann der Verein „noch verkraften“, bevor dem slowakischen Cheftrainer die Ideen ausgehen.

Quelle: www.swp.de , THOMAS FRIEDRICH |

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